Zu meiner Videokolumne bei ZEIT-ONLINE/ 24.3.2016:

  1. Selbstwert: Eine wichtige Voraussetzung für mehr Glaubwürdigkeit ist ein gutes Selbstwertgefühl. Dazu gehört, dass wir uns selbst kennen – in den Stärken und Schwächen – und nicht versuchen, etwas anderes darzustellen, als wir sind. Wie oft erleben Sie Situationen, in denen Sie versuchen, eine fremde Rolle zu spielen: besser, selbstbewusster, erfolgreicher, anders zu sein, als Sie es eigentlich sind? Sie können sicher sein, dass Ihr Gegenüber dies intuitiv wahrnimmt. Sie verlieren dadurch an Glaubwürdigkeit.
  2. Wirken: Fragen Sie sich nicht, wie Sie auf andere wirken. Fragen Sie sich lieber: „Was will ich bewirken?“. Haben Sie eine klare Vorstellung davon, wie Sie als Person Ihre Umwelt prägen und gestalten wollen? Was Sie in Ihrem Leben bewegen wollen? Dann sind Sie auf einem guten Weg.
  3. Überzeugungen: Glaubwürdig beinhaltet das Wort „glauben“: Haben Sie Überzeugungen, an die Sie glauben? Für die Sie eintreten? Haben Sie eine positive Einstellung zum Leben? Leben Sie in Übereinstimmung mit Ihren Werten? Das spüren andere. Es wirkt anziehend und glaubwürdig.
  4. Sachbezogenheit: Jeder kennt die Situationen im Leben, in denen der Impuls entsteht, sich durchsetzen zu wollen. Achten Sie mal auf sich: Geht es Ihnen dabei um die Sache? Oder wollen Sie Recht haben, Macht ausüben, stärker sein als die anderen? Genau darin unterscheiden sich Charismatiker von Machtmenschen: Die einen kämpfen für die Sache, den anderen geht es um sich selbst. Keine Frage, wer von beiden glaubwürdiger ist.
  5. Soziale Kompetenz: Wo ist Ihr Focus in der Kommunikation: bei sich selbst oder bei den Anderen? Leitet Sie aufrichtiges Interesse an Ihrer Umgebung? Nehmen Sie die Ansichten und Einstellungen Ihrer Umgebung als Bereicherung wahr oder begreifen Sie die Kollegen und Geschäftspartner schnell mal als Konkurrenten? Glaubwürdiges Auftreten ist auch die Folge von ausgeprägter sozialer Kompetenz.
  6. Anpassung vermeiden: Neigen Sie dazu, sich an gängige Meinungen anzupassen? Orientieren Sie sich gelegentlich an der Meinung Ihres Vorgesetzten oder anderer Autoritäten in der Hoffnung, so Pluspunkte einzuheimsen? Dies ist der sicherste Weg, Glaubwürdigkeit einzubüßen. Nachhaltiger Erfolg erwächst nicht aus der Anpassung sondern aus dem freundlichen Eintreten für eigene Überzeugungen und Werte.
  7. Emotionale Intelligenz: Wer Erfolg haben will, muss Andere von seinen Qualitäten und Fähigkeiten überzeugen. Er muss also um andere Menschen werben. Das gelingt, wenn wir in Kontakt zu unserem Gegenüber treten, Berührungspunkte entwickeln und so eine gemeinsame Basis finden. Wie viel Einfühlungsvermögen haben Sie? Wie ausgeprägt ist Ihre emotionale Intelligenz? Wie gut können Sie sich auf andere einstellen ohne Ihren eigenen Standpunkt dabei aus dem Auge zu verlieren? Empathie ist die wichtigste Voraussetzung für mehr Glaubwürdigkeit.
  8. Überzeugende Argumentation: Was soll das Gerede von Glaubwürdigkeit, sagen viele. Die besseren Argumente zählen. In der Tat sind Argumente wichtig. Eine überzeugende Argumentation berücksichtigt jedoch immer auch die Lebenswirklichkeit des Anderen. Sind Sie in der Lage, die Vor- und auch die Nachteile Ihrer Vorhaben für den anderen im Blick zu haben und zutreffend darzustellen? Wer andere manipulieren will, Sachverhalte beschönigt oder falsch darstellt, setzt damit immer auch die eigene Glaubwürdigkeit aufs Spiel. Wir erleben das tagtäglich in der Politik.
  9. Wertschätzung: Im Zeitalter digitaler Kommunikation glauben viele, dass die guten alten Höflichkeitsformen an Bedeutung verlieren. Das Gegenteil ist der Fall. Wie viel Wertschätzung bringen Sie Ihren Kollegen per Mail oder im telefonischen Kontakt entgegen? Ertappen Sie sich manchmal dabei, dass Sie ohne Wertschätzung kommunizieren? Schieben Sie das nicht auf Ihren Stress. Fehlende Wertschätzung anderen gegenüber zerstört Ihre Glaubwürdigkeit.
  10. Sinn: Der Dichter Herman Hesse beschrieb Glaubwürdigkeit so: „Ein Leben mit Sinn führen. Ein Leben mit Mission. Ausharren können mitten im Chaos. Warten können. Demut vor dem Leben spüren. Gerade dann und da, wo sich Sinnlosigkeit Bahn bricht. Das sind Tugenden, zumal da, wo wir von neuen Erklärungen der Weltgeschichte, von neuen Programmen jeder Art überflutet werden.“ Das ist heute so aktuell wie vor 100 Jahren. Fragen Sie sich also immer wieder mal, ob Sie diese Haltung innehaben. Sie ist der Schlüssel zur Glaubwürdigkeit.
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